Ein Amerikaner in Leipzig

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Neil hat eine glückliche Gelegenheit genutzt und sich auf den Weg zu uns über den großen Teich gemacht. Die Workshopgruppe um Lea und Lisa hat ihn in Leipzig getroffen. Zwei Texte, zwei Perspektiven.

 

Text 1 von Lisa Mönch

„Ich denke jetzt globaler“

Neil war ein normaler Junge aus Ohio, bis er seinen Wunsch verwirklichte: die Welt außerhalb der USA kennenzulernen. „Aus Ohio kommen 27 Astronauten. Auch die wollten raus aus Ohio, niemand will dort bleiben.“ Für Neil musste es zwar nicht gleich der Weltraum sein, aber raus wollte auch er. Nur wohin, wusste er noch nicht.

In der 10. Klasse meldete er sich für einen Schüleraustausch, und wie es das Schicksal wollte, landete sein Flieger in Deutschland. Sein erster Wunsch war es eigentlich nicht, aber jetzt sollte sich etwas in seinem Leben ändern: „Ich bin reifer und selbstständiger geworden und habe gelernt, mir meine Zeit einzuteilen. Das heißt, das zu machen, was ich wirklich machen möchte. Also das Gegenteil vom amerikanischen ‚Business‘, wobei man ständig unter Druck steht, jederzeit etwas tun zu müssen.“

Nach einiger Zeit in Deutschland sind ihm die Unterschiede zu seiner Heimat ganz schnell bewusst geworden: „In Amerika gibt es diesen Spruch, man soll niemals über Politik, Religion oder Geld sprechen. Es gibt unter Freunden nur Smalltalk, ansonsten entsteht sofort Streit, weil jeder nur sagt: Ich habe Recht.“ Neil hat sein Denken in Deutschland verändert und sieht nun, im Gegensatz zu seinen Freunden in Amerika, die Welt in neuen Farben.

„Nach diesem Jahr hatte ich einen Traum: Ich wollte Englisch in Deutschland unterrichten.“ Und so ist es gekommen: Heute lebt er in Leipzig und unterrichtet an einer Berufsschule seine Muttersprache Englisch. Mit seinen Deutschkenntnissen kann er glänzen und bringt nun Deutschen die US-amerikanische Kultur und Sprache bei.

Hier fühlt er sich wohl, hier hat er ein stabiles Leben. „Man wird nicht reich und kann doch ein gutes Leben führen“, sagt er zufrieden. Darum spricht für ihn nichts dagegen hierzubleiben, aber auch nichts dagegen weiterzugehen. Und sein größter Wunsch? Dass Amerika lernt globaler zu denken, so wie er es tat und immer noch tut!


Text 2 von Lea Ehrlicher

„Meister der deutschen Sprache“

02bDer US-Amerikaner Neil ist 22 Jahre alt, er kommt aus Ohio, einer kleinen Stadt in den Vereinigten Staaten von Amerika. Er wirkt aufgeschlossen gegenüber anderen Menschen, und so erzählt er uns von sich: Neil hat in Ohio studiert und entschied sich für ein Austauschprogramm. Unter zehn Ländern konnte er wählen, schließlich brachte es ihn nach Deutschland.

Er sagt, dass es schon schwer für ihn war, die deutsche Sprache zu lernen. Aber dass er es gut gemeistert hat, konnte man deutlich hören. Trotzdem schwingt ein leichter amerikanischer Akzent mit.

Was gefällt ihm an Deutschland? „Mir gefällt, dass die Menschen in Deutschland nicht so viel Stress und Druck machen. Ich mag auch das Essen und die Kultur. Was mir hier nicht gefällt, ist, dass Schüler nach der vierten Klasse wählen müssen, ob sie in eine Regelschule oder auf ein Gymnasium gehen wollen.“

Gleichzeitig gibt es vieles, das ihm in den Staaten nicht gefällt. Zum Beispiel, „dass dort den Menschen nicht erklärt wird, wie Politik funktioniert und wie man darüber diskutiert. Mir gefällt aber, dass in Amerika die Menschen aufeinanderzugehen und miteinander reden und gemeinsam Sachen unternehmen“, erzählt er.

Neil unterrichtet als Englischlehrer an einer Berufsschule in Leipzig. Seine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, hat sein Leben schlagartig verändert. Eine Gelegenheit, die er so nie wieder in seinem Leben bekommen würde. Er wünscht sich, „dass das amerikanische Bildungssystem mehr auf die Globalisierung eingeht und auch auf die Selbständigkeit der Schülerinnen und Schüler achtet.“